06.08.2010
Altersgerechtes Wohnen
Von Ralf Siebenbürger
Im Rahmen der Tagung wurde auch eine von der Bundesinnung Bau in Auftrag gegebene Studie zu dem Thema präsentiert.
Die Lebenserwartung steigt. Daher wird der Anteil alter Menschen an der Bevölkerung immer höher. Um dieser zunehmenden Zahl an alten Menschen einen Lebensabend in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, muss beim Bauen und Einrichten auf Barrierefreiheit geachtet werden.
Die Studie nennt 20 Gebote für altersgerechtes Wohnen: Da ist einmal der Parkplatz mit Bewegungsraum; er sollte mindestens 3,5 Meter breit sein; dann der mühelose Zugang zum Haus; der einladende Hauseingang. Mit dem vierten Gebot kommt schon der Tischler ins Spiel: Eingangstüren sollten zwischen 90 und 100 Zentimeter breit und schwellenlos sein. Innentüren sollten mindestens 80 Zentimeter breit sein.
Türen sollten leicht bedienbar sein. Ab einer Bedienkraft von 25 N sollten Türen automatisiert werden. In Wohneinheiten, die über mehrere Stockwerke gehen, sollten alle notwendigen Lebensfunktionen wie Wohnen, Kochen, Baden, WC und Schlafen im schwellenlos erreichbaren Eingangsgeschoß untergebracht werden. In strategischen Bereichen muss genug Platz für den Wendekreis eines Rollstuhls oder Rollators vorhanden sein. Bad und WC sollten entsprechende Bewegungsräume aufweisen; die Wände in Bad und WC müssen tragfähig sein, um die Montage von Stütz- und Haltegriffen zu ermöglichen. Flache unterfahrbare Waschbecken mit Unterputz- oder Flachaufputzsiphon ermöglichen das bequeme Sitzen vor dem Waschtisch auf einem Hocker oder im Rollstuhl.
Im Duschbereich sollte es einen geeigneten Hocker geben. Das Schlafzimmer sollte ausreichend groß und in der Nähe des Badezimmers sein. In der Küche ist der Bewegungsraum zwischen den Unterschrankelementen und den Geräten bei der Einrichtungsplanung besonders wichtig. Das Backrohr mit herausziehbaren Backwagen und die Kühlgefrierkombination sollten auch im Sitzen gut erreichbar sein. Oberschränke können auch vertikal verschiebbar mit einer Hebekonstruktion ausgeführt werden. Das Fensterparapet sollte nicht höher als 60 Zentimeter sein. Eine zusätzliche Absturzsicherung in einer Höhe von etwa 95 Zentimetern muss vorhanden sein. Alle Schalter, Steckdosen, Kontrolltaster, Sicherungskästen, Gas- und Wasser-Absperrventile sollten in einer Höhe angebracht werden, die für alle Bewohner gut erreichbar ist. Höhenverstellbare Schrankelemente, Arbeits- und Ablageflächen bieten erhöhte Flexibilität. Unterfahrbare Möbel erlauben einen besseren Zugang mit dem Rollstuhl oder mit Gehhilfen.
Schiebetüren sind sicherer als Drehflügeltüren. Wichtig sind auch rutschsichere Bodenbeläge. Treppen sollten ein geschlossenes, ergonomisch sinnvolles Stufenprofil aufweisen, rutschfeste Kanten, einen beidseitigen gut umfassbaren Handlauf haben und breit genug sein, um bei Bedarf einen Treppen- oder Plattformlift zu installieren. In Neubauten sollte eine zukunftssichere technische Ausstattung und die Möglichkeit für den späteren Einbau eines Aufzugs geschaffen werden.
Zu guter Letzt empfehlen die Verfasser der Studie farbliche Kontraste zwischen angrenzenden Flächen zur besseren Orientierung. Einfarbige Flächen erleichtern das Auffinden von Gegenständen. Ausreichende Beleuchtung sorgt für Komfort und Sicherheit. Für die Schaffung von barrierefreiem Wohnraum gibt es in allen neun Bundesländern unterschiedliche Förderungen, die beim Umbau oder Neubau in Anspruch genommen werden sollten. Die Bauakademien der Bauinnung bieten im kommenden Herbst in jedem Bundesland zweitägige Seminare für Wohnen ohne Barrieren zum Preis von 490 Euro an.
Diese Seminare finden in Wien am 23. und 24. September, in der Steiermark am 6. und 7. Oktober, in Niederösterreich am 14. und 15. und in Oberösterreich am 20. und 21. Oktober, in Tirol am 4. und 5. November, in Vorarlberg am 9. und 10., in Kärnten am 10. und 11. und zu guter Letzt in Salzburg am 18. und 19. November statt.
Anmeldungen: office@bauakademie.co.at




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