05.07.2010
Barometer für den Büromöbelmarkt

Immerhin findet im Herbst die erste Orgatec seit dem Wirtschaftseinbruch von 2008 statt. „Auf Seiten der Aussteller rechnen wir mit rund 700 Unternehmen aus rund 35 Ländern, darunter nahezu alle marktführenden Unternehmen“, gibt sich der Geschäftsführer der Koelnmesse, Oliver P. Kuhrt, optimistisch. Mehr als die Hälfte der Aussteller kommt nicht aus Deutschland. Ihrer Marktbedeutung entsprechend wird die italienische Industrie nach den deutschen Herstellern das umfangreichste Angebot stellen. Weitere starke Beteiligungen kommen aus Spanien, Dänemark, der Schweiz und der Türkei. In dem vorläufigen Ausstellerverzeichnis der schon gemeldeten Aussteller finden sich bisher auch sechs Unternehmen aus Österreich.
Was die Besucher anlangt, liegt die Latte hoch: Im Jahr 2008 besuchten 62.000 Personen aus 114 Ländern die Orgatec.
Erfolgsfaktor Büro
Hauptthema der Orgatec 2010 ist der „Erfolgsfaktor Büro“. Schwerpunkte sind dabei die aktuellen Themen der Branche, Praxisbezug und – natürlich – das Networking. Das Büro als Erfolgsfaktor beschreibt Kuhrt so: „Eine optimale Bürogestaltung fördert Produktivität, Motivation und die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Echte Raumqualität lässt sich aber nur durch gute Planung und das perfekte Zusammenspiel aller Bereiche – also von Einrichtung, Licht, Boden, Akustik und Medientechnik – erreichen.“ Kompetenzzentren zu den Bereichen Licht, Akustik und Medientechnik werden den Besuchern einen Überblick über Lösungen der entsprechenden Segmente bieten.
Zentrale Diskussionsplattform für aktuelle Entwicklungen rund um Office und Objekt wird das Ultima Office Trendforum sein, das mit einem neuen Konzept an den Start geht. Standen in der Vergangenheit einzelne Zielgruppen im Vordergrund, geht es diesmal um übergreifende Themen, die alle Besucherzielgruppen ansprechen.
Das Ultima Office Trendforum bildet zudem die Bühne für die Verleihung des Best Office Award 2010. Dieser Preis zeichnet das beste internationale und das beste deutsche Bürokonzept aus. Prämiert wird erstmals auch der „planerische Kopf“, der hinter der innovativen Bürolösung steht. Als abendliches Highlight findet am 29. Oktober die erste „Insight Cologne – Orgatec Night of Corporate Architecture“ statt. Dieser Event soll die Orgatec in die Stadt tragen. 15 Büro- und Objektgebäude werden ihre Tore öffnen.
Ein wichtiges Thema auf der Orgatec ist das Networking. Zentraler Ort dafür wird der Orgatec-Boulevard sein. Er steht diesmal unter dem Motto „Arbeitszeit ist Lebenszeit“. Die Vertreter der Branche bewerten die Orgatec 2010 als Barometer für die Stimmung auf dem Markt. Und die scheint im Moment nicht allzu rosig zu sein.
Hendrik Hund, Vorsitzender des deutschen Verbandes Büro-, Sitz- und Objektmöbel (bso), sagt heute noch: „Mit dem, was wenige Monate oder Wochen nach der letzten Orgatec im Jahr 2008 folgte, rechnete im Frühjahr 2008 niemand.“ In Deutschland bescherte die stabile Inlandsnachfrage nach Korpusmöbeln vielen Herstellern 2008 noch einmal deutliche Umsatzzuwächse. Ihre Umsätze fielen 2009 um 23 Prozent. Besonders stark schlugen mit minus 29,1 Prozent die Rückgänge im Exportgeschäft zu Buche. Gleichzeitig stiegen die Einfuhren billiger chinesischer Bürostühle 2009 alleine in Deutschland um stattliche 19 Prozent auf inzwischen rund 50 Millionen Euro.
Sitz-Steh-Arbeitstische als Renner
„Insbesondere öffentliche Unternehmen und größere Privatunternehmen setzen auf den hohen Qualitätsstandard von Quality-Office-Produkten“, weist Hund aber auch auf die andere Seite der Medaille. „Eine Umfrage im Kreis der bso-Mitglieder hat zudem gezeigt, dass im Krisenjahr 2009 so viele Sitz-Steh-Arbeitstische verkauft wurden wie nie zuvor: Rund 19 Prozent aller verkauften Schreibtische aus deutscher Produktion ermöglichen den ergonomisch sinnvollen Wechsel zwischen sitzendem und stehendem Arbeiten. Insgesamt 81 Prozent aller neu verkauften Arbeitstische sind zumindest höhenverstellbar oder höheneinstellbar.
Für einen weiteren Silberstreif auf dem insgesamt recht dunklen Himmel der Büromöbelbranche sorgte 2009 die Nachfrage der öffentlichen Hand und das nahezu unverändert große Interesse der Entscheider in privaten Unternehmen an neuen Einrichtungskonzepten. Über eine mangelnde Nachfrage nach Bemusterungen und Planungsleistungen konnten wir uns im vergangenen Jahr nicht beklagen. Diese Nachfrage führte häufig – noch – nicht zu direkten Umsätzen, ist aber dennoch ein gutes Zeichen. Zumindest Großunternehmen und große Mittelständler bereiten sich ganz offensichtlich darauf vor, ihre Einrichtungen zu modernisieren, sobald sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wieder günstiger darstellen.“
Bei der Inlandsnachfrage rechnet Hund frühestens in der zweiten Jahreshälfte mit einem deutlichen Anstieg: „Sollten sich die Sorgen aufgrund der Staatsverschuldung der europäischen Länder, der USA und Japans als berechtigt herausstellen, kann dies die Büromöbelkonjunktur auch noch bis ins Jahr 2011 hinein bremsen. Auch ein Platzen der Gewerbeimmobilien-Blase – vor allem in den USA – könnte uns noch einmal deutlich zurückwerfen.
Noch zeigt sich die Nachfrage sehr wechselhaft und uneinheitlich. Während die Hersteller von Korpusmöbeln ein Minus von 15,2 Prozent hinnehmen mussten, lag der Rückgang bei Büro-Sitzmöbeln nur bei minus 3,5 Prozent. In beiden Segmenten im Plus lagen zum Quartalsende die Auftragseingänge.“
Und wie schätzt Hund die Trends ein? „Trotz Desk-Sharing und non-territorialer Büros wird die Zahl der Büroarbeitsplätze in Europa mittelfristig zunehmen. Gleichzeitig wird sich das Erscheinungsbild vieler Büroeinrichtungen verändern“, meint Hund. Es wird viel Kommunikationsraum und weniger Arbeitsplätze geben. Außerdem regt Hund zur Verbesserung der Ausbildung von Büroeinrichtern einen eigenen Studiengang an. „Wir erleben derzeit einen deutlichen Wandel der Büroeinrichtungsbranche. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich unsere Kunden hauptsächlich für technische Details einzelner Produkte interessierten. Im Mittelpunkt der Gespräche steht heute die Wirkung der gesamten Einrichtung.
“ Die Orgatec 2010 öffnet ihre Porten von Dienstag, dem 26., bis Samstag, dem 30. Oktober, täglich von 9 bis 18 Uhr. Sie findet in den Messehallen 6, 7, 8, 9 und 10 auf 112.800 m² Brutto-Hallenfläche statt und ist von den Eingängen Süd, Ost und Nord zu erreichen. Die Tageskarte kostet im Vorverkauf 20 Euro, an der Kasse 32 Euro, die Drei-Tages-Karte kostet im Vorverkauf 38 Euro und an der Kasse 50 Euro, die Dauerkarte ist im Vorverkauf um 54Euro und an der Kasse um 66 Euro zu haben. Die Eintrittskarten können ab Anfang Juli im Online-Shop unter www.orgatec.de bestellt werden. Die Eintrittskarte gilt auch als Ticket im öffentlichen Nahverkehr. Der Katalog ist um 12 Euro ab Mitte September im Online-Shop erhältlich.

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