01.06.2010
Vorarlberg auf neuen Wegen
Für die kommende fünfjährige Funktionsperiode hat sich Ing. Karl Baliko, der schon seit vielen Jahren im Vorarlberger Innungsausschuss tätige Tischlermeister aus Meiningen, eine Fülle von Aktivitäten vorgenommen. Das Tischler Journal sprach darüber mit dem frisch gekürten Vorarlberger Landesinnungsmeister.
Tischler Journal: Herr Ing. Baliko, was hat Sie bewogen, sich für die verantwortungsvolle, oft zeitraubende und manchmal wenig bedankte Tätigkeit als Landesinnungsmeister zu bewerben?
Ing. Karl Baliko: Mir waren sehr gute Vorbilder gegönnt. Günter Lenz war es, der den Ausschuss vor 15 Jahren zu einer homogenen Gruppe geformt hat, frei von politischen Distanzen und persönlichen Vorbehalten. Ernst Leu hat in Folge weiter optimiert und unsere Finanzen sehr positiv beeinflusst. Mit Mag. Zerlauth haben wir dann auch noch einen jungen agilen Profi als Geschäftsführer erhalten. So ein Erbe darf man mit Zuversicht antreten. Natürlich hat die Funktion des Innungsmeisters auch seine Schattenseiten. Es wird auch mir mitunter nicht gelingen, wirklich alle Mitglieder zufriedenzustellen. Dafür sind die Wünsche und Auffassungen in der Tischlergemeinde zu vielfältig und die Betriebsstrukturen zu unterschiedlich. Letztendlich halte ich das aber für gut, denn die Meinungsvielfalt ist eine unserer Stärken hier in Vorarlberg.
Wo sehen Sie derzeit die größten Probleme des Tischlerhandwerks im Ländle?
Es gibt immer etwas zu verbessern, aber die wirklichen Probleme halten sich hier bei uns in Grenzen. Das aktuelle Design von Möbeln gefällt mir persönlich gut, ist aber für das Handwerk nicht nur förderlich. Teils ist die Industrie dadurch sogar begünstigt. Die Kurzlebigkeit der Güter oder des Kundengeschmacks sind unerfreulich. Mit mehr als 500 Betrieben in unserem kleinen Land ist ein scharfer Wettbewerb vorprogrammiert.
Welche Lösungsansätze sehen Sie, um den Vorarlberger Berufskollegen ihre Arbeit zu erleichtern?
Ich möchte die Gesprächskultur unter den Kollegen aktivieren und weiter verbessern. Dem Klagen über die zu niedrigen Preise schenke ich wenig Gehör. Wir müssen uns auf unsere Stärken konzentrieren und kompetent und effizient auftreten. Gemeinsam Front machen gegen überzogene Auflagen und bürokratische Fleißaufgaben. Das österreichische Modell bei der CE-Kennzeichnung der Fenster spricht Bände. Weiter auf diesem Weg ist mein Rezept und Ziel.
Gibt es bei Montagearbeiten in der Schweiz immer noch Probleme mit kantonalen Behörden?
Leider ist das so. Auf politische Hilfe aus Wien können wir hier nicht zählen. Unsere Kollegen im Osten Österreichs erleben das Problem in gegenteiliger Weise. Dort sind es beispielsweise Tschechen oder Ungarn, die günstige Leistungen in Österreich anbieten und so für Unmut der heimischen Betriebe sorgen. In der Schweiz sind es eben die Vorarlberger, die angeblich die Preise ruinieren. Mit welchen Mitteln einzelne Schweizer Behörden gegen unser Leute vorgehen, ist allerdings heftig. Da werden Monteure eingesperrt, Pässe abgenommen, Gewerkschaftsbeiträge und Lohnhöhe vorgeschrieben. Dies trotz einwandfreier Bewilligungen und korrekter Dokumente. Erfreulicherweise kennt und pflegt aber der Großteil der Kantone den Begriff Nachbarschaft.
Welche Überlegungen verbinden Sie mit Stichworten wie Nachwuchsförderung, Lehrlingsausbildung, bundesweite Vereinheitlichung der Meisterprüfung, Berufsweiterbildung, Umweltauflagen und Produktkennzeichnungspflicht sowie Tischler-Gemeinschaftswerbung?
In der Nachwuchsförderung hat Vorarlberg in jüngster Vergangenheit Erfolge, die kaum zu überbieten sind. Der Beruf des Tischlereitechnikers ist bei uns entstanden. Die Tischler Trophy war ein sensationelles Event, bejubelt von Prominenz und Presse. Die Begeisterung der agierenden Schüler und Lehrer war atemberaubend. Die Resultate auch. Die bundesweite Vereinheitlichung der Meisterprüfung ist mir zu wenig. Wir müssen den Meister wieder aufwerten und nicht seine Befähigungen den Ziviltechnikern und Beamten zusprechen und vorbehalten.
Was wollen Sie gegen die administrative Überlastung der Betriebe im Umgang mit den Behörden unternehmen?
Es ist unsinnig, von Behörden eine aktive Verringerung ihres eigenen Einflusses zu erwarten. Mein Glaube an eine Verwaltungsreform ist bescheiden. Uns bleibt nur, gegenüber jenen, die den Umfang ständig vergrößern, unbequem zu sein und als möglichst große Gruppe aufzutreten. Ein Ziel ist es, genau abzuklären, welchen Pflichten ein Unternehmen wie nachkommen muss. Ich habe selbst erlebt, dass Dinge gefordert werden, die keine gesetzliche Deckung haben.
Wie wollen Sie Berufskollegen in der Beseitigung möglicher betrieblicher Schwächen, etwa beim Thema Marketing, unterstützen?
Die Innung kann nur kollektive Imageverbesserung betreiben. Derzeit laufen Schaltungen in regionalen Printmedien, bei denen sich der einzelne Unternehmer in einheitlich vorgegebenem Rahmen präsentieren kann. Die teilnehmenden Kollegen werden von uns auch finanziell unterstützt.
Was halten Sie von Tischler-Kooperationen? Welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit sehen Sie dabei?
In Vorarlberg ist mir mit „Faktor 8“ eine Kooperation bekannt, die seit langer Zeit stabil funktioniert. Oft geht mit den Fördergeldern auch die Anfangseuphorie zur Neige. Überregionale Kooperationen halte ich für erfolgversprechender. Voraussetzung ist immer, dass sich Leute finden, die wirklich harmonieren. Darin besteht die Kunst.
Welche zentralen Anliegen wollen Sie bis zum Ende der neuen Funktionsperiode vordringlich erledigt haben?
Echte Hilfestellung für die Betriebe bei bürokratischen und technischen Hürden. Eine aktivere Zusammenarbeit des WIFI Hohenems mit unserer Fachgruppe. Weitere Erfolge in der Ausbildung und der Imageverbesserung unseres Berufsstandes.
Wir danken für das Gespräch.




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