Der Rat der Europäischen Gemeinschaft erließ die Bauproduktenlinie, um die technischen Regeln der Mitgliedstaaten zu harmonisieren und ihre Rechtsvorschriften anzugleichen. Damit soll der Warenverkehr mit Bauprodukten innerhalb der Europäischen Union erleichtert werden. Diese Richtlinie legt die sicherheitsrelevanten Anforderungen fest, deren Umsetzung mithilfe von harmonisierten Normen und technischen Zulassungen erfolgt. Vor dieser Richtlinie existierten zum Beispiel mehr als 30 unterschiedliche Testverfahren für den vorbeugenden baulichen Brandschutz und damit eine Vielzahl daraus resultierender Brandschutzklassen. In Österreich waren bis Ende 2003 die ÖNormen B 3800-1 sowie B 3810 zur Prüfung und Klassifizierung des Brandverhaltens von Baustoffen gültig. Danach wurden diese Normen zurückgezogen und durch die ÖNorm EN 13501-1 ersetzt. Derzeit befinden wir uns in einer auslaufenden Koexistenzphase (Mai 2010) zwischen den nationalen Brennbarkeitsklassen (A, B1, B2, B3), welche noch in einzelnen Vorschriften gefordert werden, sowie den neuen europäischen Klassifizierungen (A1, A2, B, C, D, E, F). Die Anforderungen an den Feuerwiderstand von Bauteilen wurden durch das österreichische Institut für Bautechnik (OIB) mit der OIB-Richtlinie 2 in der neuen Norm berücksichtigt. Eine direkte Zuordnung der bisherigen Brennbarkeitsklassen zu der neuen Euroeinteilung des Brandverhaltens ist jedoch nicht möglich.
EN 13501
Der Kerninhalt der europäischen Norm unterscheidet sich vor allem durch die komplexere Beschreibung, die sich primär auf die Brennbarkeit und die Unterscheidung zwischen Baustoffen/Bauprodukten sowie Bodenbelägen bezieht. Als Hauptklassifizierungskriterien gelten die Endzündbarkeit, Flammenausbreitung und freiwerdende Wärme. Zusätzlich werden die Brandparallelerscheinungen der Rauchentwicklung und des brennenden Abfallens/Abtropfens des Baustoffs festgestellt und in mehreren Stufen klassifiziert.
Bei Prüfungen nach der bisherigen ÖNorm B 3800 wurde die Entzündbarkeit des Materials berücksichtigt. Kunststoffe wurden dabei übervorteilt, da sie sich durch das Wegschmelzen der Flamme entziehen und dabei erlöschen.
Die bisherigen Prüfverfahren wurden modifiziert und unter anderem mit einem Single-Burning-Item-Test (SBI) gemäß EN 13823 ergänzt. Dabei handelt es sich um einen kleinen Brandherd, wie zum Beispiel einen brennenden Papierkorb, welcher für die Brandverhaltensklassen (A2, B, C, D) angewendet wird.
Die bei den Tests entstehende Rauchentwicklungsrate Smogra (smoke growth rate) wird gemäß EN 18523 als Maximum des Quotienten aus der Rauchentwicklung der Probe und dem dazugehörigen Zeitpunkt definiert. Auch die dabei gesamt freigesetzte Rauchmenge TSP (total smoke production) wird durch eine Parallelprojektion aller Rußpartikel auf eine Messebene bestimmt und beide dienen zur Klassifizierung der Rauchentwicklung. Das Zusatzkriterium „brennendes Abtropfen/Abfallen" wird nach dem Auftreten innerhalb eines definierten Zeitrahmens und der Dauer des Vorgangs eingeteilt.

Bezeichnungen
© Wien, MA 39
Bauteileigenschaften
Die Klassifikation von Bauteilen erfolgt weiterhin nach dem Brandwiderstand der Gesamtkonstruktion (Normbrandversuch gemäß Einheitstemperaturkurve). Während des Brandversuchs sollen an der dem Feuer abgewandten Seite kein Feuer, kein Rauch und keine durch Pyrolyse brennbaren Gase auftreten.
Mit der europäischen Norm werden die bislang verwendeten Bezeichnungen für den Brandwiderstand von Bauteilen durch eine Buchstabenkombination ersetzt (siehe Tabelle).
Brandschutztüren werden bereits seit 2001 mit diesem System bezeichnet und beispielsweise eine T30 mittlerweile als EI230-C geführt. Eine genaue Gegenüberstellung der Altbezeichnung und der neuen Leistungskriterien sind in der ÖNorm B 3807 ersichtlich. Die neuen Bezeichnung erscheinen kompliziert und unübersichtlich, jedoch wird bereits nach kurzer Zeit klar, dass es sich hierbei um eine Vereinfachung und Verbesserung handelt. Die Bauteilqualitäten sind dadurch sofort nach ihren tatsächlichen erreichten Leistungen erkennbar. Für weitere Informationen steht die Holzforschung Austria (www.holzforschung.at) und die Magistratsabteilung 39 (www.m39.wien.at) zur Verfügung.
(Redaktion: Jürgen Fragner, Tischlerjournal)
