04.05.2010
Öko - logisch oder unlogisch?
Die Ökologisierung der öffentlichen Beschaffung ist ein Gebot der Stunde. In welchem Ausmaß aber, darüber war zwischen Umwelt und Wirtschaft eine heftige Debatte ausgebrochen.
Das Bundesvergabegesetz 2006 sieht in § 19 Abs. 5 zwingend vor, im Vergabeverfahren auf die „Umweltgerechtheit" Bedacht zu nehmen. Das kann am besten über technische Spezifikationen erfolgen, aber auch über Zuschlagskriterien oder Vertragsbedingungen.
Im Laufe der letzten zehn bis 15 Jahre wurden zahlreiche Unterlagen ausgearbeitet, die für die Tagesarbeit des Vergabepraktikers geeignet sind. Manche dieser Unterlagen sind umstritten, da sie die Palette möglicher Produkte einschränken. Ein derartiges Grundlagenwerk ist das sogenannte „baubook" (www.baubook.at).
Das Umweltministerium erarbeitet derzeit einen „Österreichischen Aktionsplan zur nachhaltigen öffentlichen Beschaffung". Das Wirtschaftsministerium und die Wirtschaftskammer haben ihre Bedenken eingebracht. Im Hinblick auf die kleinbetrieblich strukturierte österreichische Wirtschaft sollte ein Schwellenwert eingeführt werden, unter dem Beschaffungsvorgänge vom Aktionsplan befreit sind. Die Begründung dafür sind die geforderten Nachweise, die einen hohen bürokratischen bzw. finanziellen Aufwand verursachen. Und warum soll man freiwillig höherer Standards als die EU einführen?
Auf EU-Ebene gibt es das sogenannte „toolkit" (http://ec.europa.eu/environment/gpp/pdf/gpp_flyer_de.pdf). In zehn Bereichen (darunter auch Möbel) sollen höhere ökologische Standards bei der öffentlichen Beschaffung angestrebt werden. Dabei soll der „Total Cost of Ownership"-Ansatz (TCO) Anwendung finden, also dass nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch Betriebs-, Nutzungs- und Entsorgungskosten wirtschaftlich berücksichtigt werden.
Im Auftrag der Europäischen Kommission hat PricewaterhouseCoopers (PWC) eine Methodik zur Erhebung des Status quo bei der ökologischen Beschaffung erarbeitet und diese zur Erprobung in sieben Mitgliedstaaten (Niederlande, Schweden, Finnland, Großbritannien, Dänemark, Deutschland und Österreich) angewandt. Bei diesen Staaten handelt es sich um jene, die auf diesem Gebiet führend sind. Die PWC-Studie hat die Anwendung von ökologischen Kernkriterien und erweiterten ökologischen Kriterien für diese zehn Bereiche mit einer internetbasierten Befragung untersucht. In Österreich haben 136 Personen geantwortet. Die Erhebung ergab, dass bei 49 Prozent der von der öffentlichen Hand in Österreich beschafften Produkte, Bau- und Dienstleistungen (bezogen auf den Wert) ökologische Kernkriterien berücksichtigt werden. Weitere 3 Prozent der beschafften Güter entsprechen darüber hinaus den erweiterten ökologischen Kriterien. Österreich nimmt dabei den zweiten Platz hinter Großbritannien ein.
(Redaktion: Hans Peter Heitzinger, Tischlerjournal)
Initiativen in Österreich
• „Ökokauf Wien": www.oekokauf.wien.at
• Aktionsplan nachhaltige öffentliche Beschaffung: http://umwelt.lebensministerium.at/article/articleview/79349/1/1467
• Zentrale Beschaffung des Landes Oberösterreich: www.oekoweb.at/38/did/295
• ÖkoBeschaffungsService Vorarlberg:
www.umweltverband.at/index.php?id=beschaffung
• „Klima:aktiv": mit den Programmen „Energieeffiziente Geräte", „Mobilitätsmanagement in der öffentlichen Verwaltung" und „ecofacility": www.klimaaktiv.at/article/archive/25247/
• BeschaffungsService Austria:
www.ifz.tugraz.at/oekoeinkauf/
• Projekt So:Fair: www.sofair.at
Ökologische Beschaffung
Ökologische Beschaffung („green procurement") bedeutet die Berücksichtigung von Umweltaspekten beim Einkauf von Produkten und Dienstleistungen. Verfolgt werden die Ziele:
• Erhöhung des Wirkungsgrades beim Einsatz von stofflichen und energetischen Ressourcen (Öko-Effizienz);
• Schließung von Stoffkreisläufen, Reduktion von Abfällen (Vermeidung, Wieder- und Weiterverwendung, Verwertung);
• Reduktion von Gefahrstoffen in der Produktion und in Produkten – damit werden auch Gefahrstoffe in Abfällen und Gesundheitsbelastungen während Produktion und/oder Nutzung reduziert und
• Verminderung von Emissionen: direkte Schadstoffe, indirekte Schadstoffe, Lärm.
Somit werden qualitative Ziele (Ressourcen- und Energieeffizienz, Reduktion von Materialströmen) und quantitative Ziele (Verminderung toxischer Stoffe, Risikomanagement) verbunden.
Quelle: IFZ



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