16.04.2010
Historische und moderne Beschichtungssysteme
Im Zentrum des heurigen 10. Jubiläums-Fenster-Türen-Treffs am 25. und 26. Februar in der Wirtschaftskammer Österreich stand das Thema Sanierung. Das breite Spektum der gebotenen Vorträge reichte von Fragen des Fenstertausches über hochwertige Fassadensanierung samt Fotovoltaik bis zu innovativen Fensterkonstruktionen.
Besonderes Augenmerk galt dem Beitrag „Historische und moderne Beschichtungssysteme“ von DI Dr. Gerhard Güll. Mit den Entwicklungen der Lacktechnologie von Produkten auf Basis von trocknenden Ölen (vor allem Leinölfirnis) zu Kunstharzbindemitteln in lösemittelbasierten Produkten (Alkydharze) und schließlich zu den heute weit verbreiteten wasserverdünnbaren Beschichtungssystemen auf Basis von Acrylatdispersionen sowie diversen Mischpolymeren und Hybriden haben sich auch die Eigenschaften der eingesetzten Beschichtungssysteme hinsichtlich deren Verarbeitung und des Verhaltens der Beschichtungsfilme (z. B. Abwitterungsverhalten, Diffusionseigenschaften, Vergilbung) stark verändert. Beim Umstieg auf eine neue Beschichtungstechnologie bemerken vor allem erfahrene Handwerker diese Unterschiede in den Eigenschaften, und erste Probleme bei der Anwendung, die vielleicht auch noch ungelöste „Kinderkrankheiten“ der neuen Technologie darstellen, rufen Skepsis hervor.
Aus diesem Grund besteht weit verbreitet die Meinung, dass die „guten alten“ Beschichtungssysteme von wesentlich besserer Qualität waren bzw. sind als moderne Produkte. Dr. Grüll von der Holzforschung Austria präsentierte die Ergebnisse einer Studie mit der Zielsetzung, einen objektiven Vergleich von historischen und modernen Beschichtungssystemen für Holz im Außenbereich hinsichtlich ihrer technischen und ökologischen Eigenschaften bei der Verarbeitung und während der Nutzung zu erstellen. Dies erfolgte anhand von Modellformulierungen durch Beurteilung der physikalischen Eigenschaften der Beschichtungen, des Abwitterungsverhaltens, durch Stoffflussanalysen und durch ökotoxikologische Untersuchungen.
Aus den Ergebnissen dieser Arbeit kann geschlossen werden, dass die untersuchten Beschichtungssysteme für Holz im Außenbereich Vor- und Nachteile bzw. Stärken und Schwächen aufweisen, die bei der Anwendung und Auswahl zu berücksichtigen sind. Das günstigste Eigenschaftsprofil, abgeleitet aus den durchgeführten Untersuchungen, kann den wasserverdünnbaren Beschichtungssystemen zugesprochen werden, die hinsichtlich des Bindemittels und des Verdünnungsmittels Wasser den letzten Stand der Technik aus den untersuchten Mustervarianten darstellen. Es konnte damit eine positive Entwicklung in Bezug auf Qualität, Schonung der Umwelt und Ressourcenschonung festgestellt werden. Alle untersuchten Systeme haben ihre Anwendungsberechtigung in der Praxis, jedoch in den dafür vorgesehenen Bereichen. Historische Beschichtungsstoffe sind nur für die Bereiche Denkmalpflege und Restauration zu empfehlen, in denen auch entsprechenden Fachkenntnisse des Handwerkers zur Verfügung stehen. In allen anderen Sanierungsfällen haben modernere Streichprodukte durch ihre einfachere Verarbeitung und die höhere Witterungsbeständigkeit eindeutige Vorteile. Bei der Neuanfertigung von Holzfenstern sind wasserverdünnbare Beschichtungssysteme nach dem heutigen Stand der Technik zu bevorzugen.




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