20.04.2010
Die Zukunft heißt: Netzwerke bilden
Die Kammerwahl ist geschlagen, jetzt geht es in Richtung Zukunft. In den nächsten Wochen werden sich in den einzelnen Bundesländern die neuen Innungsausschüsse konstituieren und ihre Arbeit aufnehmen.
Wir haben bei ranghohen Standesvertretern nachgefragt, welche Schlüsse sie aus der Wahl ziehen und wie es nun im Tischlerhandwerk weitergehen wird.
Zur Wahlbeteiligung meint Bundesinnungsmeister Ing. Josef Breiter: „Gewählt wurden in den Bundesländern die entsprechenden Landesinnungen. Es gab in allen Ländern gute Erfolge. Das zeigt, dass die Arbeit der Funktionäre in den Ländern und der Bundesinnung von den Tischler-Mitgliedsbetrieben anerkannt wurde.“ Unter den Spitzenvertretern der solcherart angesprochenen Landesinnungen sind die Reaktionen auf die Wahlbeteiligung so unterschiedlich wie die Wahlbeteiligung im jeweiligen Bundesland. „Allgemein war die Wahlbeteiligung nicht zufriedenstellend“, stellt etwa der Kärntner Landesinnungsmeister Siegfried Egger fest. „Die Wähler und Wählerinnen aus der Sparte Gewerbe und Handwerk haben jedoch ihr Wahlrecht verstärkt genutzt, um ihre Berufsgruppenvertreter zu wählen.“
Hohe Wahlbeteiligung als Barometer
Sein burgenländischer Amtskollege Peter Pauschenwein stellt zunächst generell fest: „Jeder, der sich zur Wahl stellt, wünscht sich, dass möglichst viele die in der vorangegangenen Periode erbrachten Leistungen positiv beurteilen. Und da bedeutet eine hohe Wahlbeteiligung eine breite Unterstützung für die Standesvertreter.“ Jedoch räumt Pauschenwein ein: „Manchmal werden die Kammerleistungen nicht so wahrgenommen oder als selbstverständlich hingenommen. Das kann dazu führen, dass sich geringeres Interesse bei den Mitgliedern breitmacht.“ Insgesamt aber kann er zufrieden sein: „Im Burgenland war die Wahlbeteiligung mit 58 Prozent recht gut. Nur in Oberösterreich und Salzburg sind mehr Mitglieder zur Wahl gegangen. Und auch innerhalb der Branche können wir zufrieden sein: Da lag die Beteiligung bei uns auch über dem bundesweiten Tischler-Durchschnitt.“ Einer, der zumindest in Sachen Wahlbeteiligung noch zufriedener sein kann, ist der Salzburger Landesinnungsmeister Adolf Stadler. Er sagt: „Mit einer Wahlbeteiligung von 64 Prozent liegt Salzburg im Spitzenfeld, und das zeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen den Betrieben und der Innung von den Mitgliedern als zufriedenstellend empfunden wurde. Ich möchte mich bei den Kollegen für das Vertrauen, das sie auch für die kommenden fünf Jahre in mich gesetzt haben, bedanken.“
Wie es nach der Wahl weitergehen wird? „Wir werden dort weitermachen, wo wir vor der Wahl aufgehört haben“, sagt Peter Pauschenwein. Als wichtigste Vorhaben nennt er die Einschränkung der Bürokratie und die Eindämmung von Hemmnissen für die Betriebe. „Die Behörden geben immer mehr Vorschriften für die Tischler heraus“, nennt er das vorrangige Übel. Daneben will sich Pauschenwein für die Ausweitung des Weiterbildungsangebotes für Tischler einsetzen. Ähnlich sieht Bundesinnungsmeister Breiter die Aufgaben: „Die Wichtigkeit der Aufgaben hat sich durch die Wahl nicht verändert. Nach Bildung des neuen Bundesinnungsausschusses mit seinen teilweise neuen Funktionären wird dieser das bestehende Programm weiterführen und allfällige aktuelle Themen einbringen.“
Der Kärntner Siegfried Egger umreißt sein Arbeitsprogramm folgendermaßen: „Wir werden den Weg der verstärkten Mitgliederbetreuung weiter beschreiten sowie die laufenden, aber auch die neuen Projekte wie geplant umsetzen.“ Er sieht das Wahlergebnis als Verpflichtung für die weitere Arbeit: „Ich danke den Mitgliedern der Kärntner Tischlerinnung für ihr Vertrauen und sehe das tolle Wahlergebnis als Lohn für die bisher geleistete Arbeit, aber auch als neuen Auftrag, mich mit meinem künftigen Innungsausschuss für die Belange aller Kärntner Tischlerbetriebe einzusetzen.“
Adolf Stadler geht mit einem umfangreichen Arbeitsprogramm in die neue Funktionsperiode. Drei Themenbereiche stechen dabei hervor: die Arbeit der Interessenvertretung, der Service und die Aus- und Weiterbildung. Was die Arbeit der Interessenvertretung anlangt, nennt Adolf Stadler Werbe- und Informationskampagnen in Funk, Fernsehen und Printmedien, die die Fachkompetenz der Tischler und der holzgestaltenden Gewerbe unterstreichen und die Rechtssicherheit der Konsumenten auf Gewährleistung vermitteln sollen; weiters die Begutachtung von Gesetzen, Verordnungen und Erlässen; Verhandlungen mit und Stellungnahmen gegenüber den Behörden; die Förderung der Interessen der Holzwirtschaft durch Messeauftritte, Veranstaltungen, Publikationen und besondere Zusammenarbeit mit ProHolz und dem Holzcluster; die Erreichung einer für die Tischler praktikablen Lösung für die vom Bautechnikgesetz geforderten einbruchshemmenden Wohnungstüren nach ÖNorm B 5338; die Förderung des Wettbewerbs der Befähigten und die Bekämpfung ihrer Umgehung durch den Pfusch; und nicht zuletzt die Weiterentwicklung der Tischlerwerbung. Im Bereich des Mitgliederservices sieht Stadler seine Hauptaufgaben in der aktuellen Information der Mitglieder per Rundschreiben und auf der Homepage, die Abhaltung von Informationsveranstaltungen, die Durchführung von Marktuntersuchungen und Preiserhebungen als Kalkulationshilfe für die Mitglieder sowie die Darbietung eines attraktiven Fachprogramms im Rahmen der Fachgruppentagungen.
Im Bereich Aus- und Weiterbildung nennt Stadler die Imageförderung auf den Landes- und Bundeslehrlingswettbewerben, die attraktive Präsentation auf der Bildungsinformationsmesse und in den Schulen, die bestmögliche Umsetzung der Lehrlingsförderung neu, die Etablierung der Meisterprüfung als „Doktorat des Handwerks“ und die Zusammenarbeit mit Schulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung.
Auf die Frage nach der größten Herausforderung für das Tischlerhandwerk in den kommenden zehn Jahren meint Bundesinnungsmeister Breiter: „Was in zehn Jahren ist, dafür kann keiner eine treffsichere Prognose abgeben.“ Und er ergänzt: „Wir versuchen, unsere Tischlerunternehmen auf die Rahmenbedingungen aus allen Bereichen vorzubereiten und zu unterstützen. Wichtige Punkte sind Marketing, etwa durch die Gemeinschaftswerbung, nach außen und Facharbeiterausbildung, Innovation und Kosteneffizienz nach innen, um in den wirtschaftlich spannenden Zeiten erfolgreich zu bestehen.“ Einen weiteren Aspekt führt der Kärntner Innungsmeister Siegfried Egger ins Treffen, wenn er sagt: „Wir Tischler müssen uns weiterhin mit Geschick der jeweiligen Marktsituation anpassen. Erkennen und Bearbeiten von Marktnischen werden eine große Herausforderung für das Tischlerhandwerk sein. Aber auch betriebliche Kooperationen werden in Zukunft wichtiger sein denn je.“
Ähnlich sieht es der Burgenländer Peter Pauschenwein, wenn er prognostiziert: „Die nächsten zehn Jahre werden äußerst interessant. Ob sich die Krise verschärfen wird, von der wir Tischler bisher durchaus profitieren konnten, wohin sie sich entwickeln wird, ob und wie sie auch uns treffen wird, das kann keiner voraussagen. Was man voraussagen kann, ist, dass wir uns auf unsere Stärken konzentrieren müssen und alles andere abgeben. Wir müssen uns spezialisieren und Netzwerke bilden – horizontale mit Tischlerkollegen, die andere Spezialisierungen haben, ebenso wie vertikale mit anderen Gewerken.“ Und Pauschenwein analysiert weiter: „Der Kunde ist heute verwöhnt und möchte alles aus einer Hand. Und gerade der Tischler ist dazu prädestiniert, bei einem größeren Vorhaben die unterschiedlichen Gewerke zu koordinieren. Das wird für uns bedeuten, stärker auf Planung und Präsentation einzugehen. Wir müssen zu Experten für alles werden, was mit Einrichtung zu tun hat. Und da gibt es in vielen Betrieben noch Nachholbedarf. Wir müssen lernen, auf Trends zu achten.“
Wie das gehen soll? „Da gibt es viele Möglichkeiten: Früher waren die Vertreter, die zu uns in die Betriebe kommen, meist nur Bestellscheinausfüller. Heute sind sie oft auch interessante Informanten und Ratgeber. Ganz wichtig zur Trendbeobachtung sind auch Messebesuche. Wie im Vorjahr organisiert die burgenländische Innung auch heuer wieder einen Messebesuch in Mailand. Und nächstes Jahr geht es nach Köln. Dort findet von 18. bis 23. Jänner 2011 die imm cologne mit dem Schwerpunkt Küchen statt.“
Noch einen Aspekt erwähnt der Salzburger Innungsmeister Adolf Stadler: „Wie auch in der Vergangenheit muss der Betriebsinhaber fachlich bestens ausgebildet, flexibel, innovativ und kreativ sein, um den Wünschen der Kunden bestmöglich gerecht zu werden. Es wird wichtig sein, gute Lehrlinge zu finden und auszubilden und dadurch gute Fachkräfte für die Zukunft zu bekommen, denn unsere Lehrlinge von heute sind unsere Fachkräfte von morgen.“
(Redaktion: Ralf Siebenbürger, Tischlerjournal)






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